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Bericht über den Ideenwettbewerb III

Bericht über den Ideenwettbewerb III Direktausbildung und Weiterbildung am 7.10.2014 (DPtv, unith, DVT):

Ideenwettbewerb mutiert zum Scheuklappen-Wettbewerb

Die Organisatoren haben zum dritten Mal unter dem irreführenden Namen "Ideenwettbewerb" zu einer Werbeveranstaltung für die basale Direktausbildung eingeladen. Es kamen nicht viele Besucher (etwa 80), allerdings mehrere Landeskammer-Präsidenten. Der erste Vortrag (Fydrich und Körner) über das Psychotherapie-Direktstudium machte trotz des Optimismus der Referenten deutlich, dass es sich um ein unfertiges und unkonkretes Vorhaben handelt, das nicht dazu führen kann, dass an der Hochschule Psychotherapie so gelernt werden kann, dass eine sofortige Approbation zu verantworten wäre. Patientenkontakt soll in Form von Fallseminaren stattfinden, Selbsterfahrung ist freiwillig oder gar nicht vorgesehen. Die Studenten werden mit dem Wissen aus dem Studium entlassen, wie Psychotherapie gemacht wird, aber das sind eben nur Kenntnisse und keinerlei Können. Dieses Studium ist höchstens eine gute Vorbereitung auf eine postgraduierte Ausbildung in Psychotherapie wie sie derzeit existiert, auf keinen Fall kann sie diese ersetzen. Die Referenten machten deutlich, dass ihr Modell derzeit ohnehin nicht realisierbar ist, weil enorme Kosten entstehen, deren Finanzierbarkeit nicht abzusehen ist.

Der Vortrag von Tripp versuchte mit einer klugen Logik auf sophistische Weise zu belegen, dass dieses Studium die Patientensicherheit nicht beschädigt, sondern sogar noch erhöht, ebenso die Qualität der Versorgung und Ausbildung. Innerhalb seines Denksystems war das alles plausibel - so lange man sich nicht an die magere Outcome-Darstellung der Vorredner erinnerte.

Ein weiterer Vortrag (Hahn) beschrieb vergleichsweise kritisch das Novellierungsbemühen bei der ärztlichen Weiterbildungsordnung, um die Möglichkeit zu geben, voneinander zu lernen.

Danach kam eine betriebswirtschaftliche Modellrechnung, die zeigte, dass auch die nach dem Studium angedachte Weiterbildung derzeit nicht finanzierbar ist. Es wurde deutlich gemacht, dass nur über einen Systemzuschlag zu den KV-Honoraren die ambulante Weiterbildung machbar werden würde. Dieser müsste von den Krankenkassen geleistet werden. Im stationären Bereich sieht es noch schlimmer aus: Weder das Geld für die tarifliche Bezahlung der psychotherapeutischen WeiterbildungsassistentInnen ist da, noch die Stellen überhaupt. D. h. dass ein Flaschenhals größten Ausmaßes die Mehrzahl der studierten Psychotherapeuten in ein akademisches Proletariat führen würde - arbeitslos und ohne Chance, den angestrebten Beruf jemals ausüben zu können. Dazu kam noch, dass unzählige Gesetze geändert werden müssten, damit die rechtliche Basis für eine tariflich bezahlte Weiterbildung geschaffen wird.

Mit keinem Wort wurde auf die Modell-Alternative der dualen (Direkt-)Ausbildung z. B. sensu Gleiniger eingegangen, bei der alle nicht lösbaren Probleme nicht auftreten und die die lösbaren Probleme gleich gut löst wie die basale Direktausbildung.

Noch schlimmer steht es bei diesen Protagonisten um die Kinder- und Jugendlichenpsychhotherapie. Es war einfach nicht glaubhaft,

a) dass auch Sozialwissenschaftler zugelassen werden

b) dass Kinder-und Jugendlichenpsychotherapie im Studium gleich viel und gleich gut gelehrt wird wie die Erwachsenenthemen (nur wenig gilt für beide Altersgruppen)

c) dass Kinder- und Jugendpsychiatrische Kliniken das Bildungs-Loch stopfen können, das entsteht, wenn die postgraduierte Ausbildung abgeschafft wird

d) dass nicht doch 90 % der Absolventen, die KJ-Psychotherapie machen wollen, keine Weiterbildungsstelle finden und deshalb niemals ihren Beruf ausüben können werden.

All das bekümmerte die Organisatoren nicht, sie waren sich sicher, dass unter ihrem Weihnachtsbaum das Direktausbildungsgesetz liegen wird.

Da kann man nur noch sarkastisch "Frohe Weihnachten!" wünschen

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